First Generation Studierende mit Migrationshintergrund

30.06.2017

Meine Erfahrungswerte.

von Nesrin Baysal

 

Wann hast  du angefangen zu studieren?

Ich habe 1998 angefangen zu studieren. Da war alles oder vieles anders an der Universität Wien. Ich hatte niemanden in meiner Familie, die sich mit dem Unileben auskannten. Ich war die Erste, die auf eine Universität ging. Die Zulassung verlief nicht anders als heute. Es war eine unendlich lange Schlange, an das kann ich mich noch sehr gut erinnern. Wie ich meinen Stundenplan erstellen muss, wo ich nachfragen kann, wohin ich hingehen muss, habe ich meistens über die Studienvertretung erfahren. Ich habe mir, obwohl ich keine Erfahrung noch mit Uni oder ähnliches hatte, ziemlich leicht getan. Ich bin nicht wirklich an irgendwelche Hürden gestoßen. Ja, natürlich war es eine Umstellung von Schule auf Uni, aber da muss jeder durch.

 

Wie hast du dich für dein Studium entschieden?

Bei der Auswahl meines Studiums war ich mir schon immer sicher. Ich wollte Lehramt studieren. Zuerst habe ich mit UF Englisch und UF Psychologie, Philosophie und Pädagogik angefangen. Daraus wurde dann UF Französisch und UF Psychologie und Philosophie und dann schließlich UF Deutsch und UF Psychologie und Philosophie. Ich habe gesehen, dass Fremdsprachen an der Universität sehr schwierig sind und wenn man sich nicht reinhängt, kommt man leicht raus, was dann den Weitergang ein wenig behindert. Das UF Deutsch, das ich „nie“ studieren würde, dachte ich mir, habe ich sehr lieb gewonnen und habe zusätzlich meinen Bachelor in Deutscher Philologie beendet.

 

Bist du auf irgendwelche Hürden gestoßen?

Ich bin auf viele Fragen gestoßen, als Deutsch als Zweitsprachlerin, ob das Studium mir nicht zu schwer wäre oder wie ich mich tun würde. Doch wenn man sich für etwas interessiert und sich begeistert, ist nichts nicht zu schaffen. Die Erfahrung habe ich selber gemacht, mich im Unialltag zurecht zu finden. Meine Familie hat mich in allem unterstützt. Und so gingen die Jahre dahin und so sehe ich nun meine Schwester an der Universität Wien studieren und weiß, dass Sie nicht die letzte aus unserer Familie sein wird.

Studenten und Studentinnen in einem Hörsaal